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Mit Vibe Coding erstellst du einfache Tools, Dashboards und Landingpages. Programmierkenntnisse brauchst du dafür nicht. Was dahintersteckt, wo der Ansatz im Onlinemarketing wirklich hilft und wo die Grenzen liegen.
Vibe Coding, also das Erstellen von Software per natürlicher Sprache mithilfe von KI, verändert, wie Marketing-Teams arbeiten. Wenn du Aufgaben klar beschreiben kannst, bist du heute in der Lage, einfache Tools, Dashboards und Landingpages ohne Programmierkenntnisse selbst zu entwickeln. Das spart Zeit, schafft Unabhängigkeit von externen Dienstleistern und macht individuelle Lösungen erschwinglich. Doch der Ansatz hat klare Grenzen: Komplexe Software, Datensicherheit und DSGVO-Konformität erfordern nach wie vor technisches Urteilsvermögen.
Was ist Vibe Coding?
Vibe Coding bezeichnet die Methode, Software mithilfe von KI-Tools allein durch natürlichsprachliche Eingaben zu erstellen, also ohne Programmierkenntnisse und ohne klassischen Code zu schreiben.
Wichtig ist die Abgrenzung:
Vibe Coding ist kein Programmieren im klassischen Sinne. Es entstehen aber reale Softwareprodukte wie Web-Apps, Analysetools, interaktive Websiteelemente und Landingpages. Die KI übersetzt deine Beschreibung in funktionierenden Code. Das fertige Produkt kannst du anschließend im Browser nutzen oder in eine bestehende Website einbinden.
Vibe Coding nutzen! Und wo liegen die Grenzen?
Für einfache Vibe-Coding-Projekte brauchst du kein technisches Verständnis. Entscheidend ist eine andere Kompetenz: Wenn du ein Problem präzise beschreiben und den gewünschten Prozess klar formulieren kannst, erzielst du auch mit Vibe Coding gute Ergebnisse. Wenn es dir dagegen schwerfällt, einer Aufgabe ausreichend Kontext zu geben, stößt du auch hier an Grenzen.
„Entscheidend ist nicht, ob du programmieren kannst. Die eigentliche Frage ist: Kannst du Probleme gut beschreiben?“, bringt es Stefan Ponitz, eMBIS-Trainer und Spezialist für KI-gestützte Automatisierung im Marketing, im Podcast „Bringt Vibe Coding mein Onlinemarketing wirklich weiter?“ auf den Punkt.
Das bedeutet: Vibe Coding senkt die technische Hürde für die Softwareentwicklung erheblich, hebt sie aber nicht vollständig auf. Je komplexer dein geplantes Tool ist, desto mehr technisches Grundverständnis brauchst du. Das betrifft vor allem Fragen der Softwarearchitektur, der Datenspeicherung und der Zugriffsrechte. Ohne dieses Wissen entstehen schnell Sicherheitslücken, die für dich möglicherweise unsichtbar bleiben.
Welche konkreten Aufgaben im Onlinemarketing kannst du per Vibe Coding lösen?
Vibe Coding eignet sich besonders dort, wo du bisher auf externe Dienstleister oder die interne IT angewiesen warst. Drei Einsatzfelder bieten sich an.
- Dashboards und Auswertungstools: Wöchentliche Reports aus Google Ads oder Social-Media-Kanälen kannst du in einem individuellen Dashboard zusammenführen. Das Ergebnis ist auf deine eigenen Kanäle und Kennzahlen (KPIs) zugeschnitten. So erhältst du kein generisches Tool, sondern eine maßgeschneiderte Lösung.
- Landingpages in großer Stückzahl: Wenn du Google-Ads-Kampagnen mit mehreren Anzeigengruppen betreibst, weißt du: Idealerweise hat jede Anzeigengruppe ihre eigene Landingpage. In der Praxis wurde das selten umgesetzt, weil der Aufwand zu groß war. Per Vibe Coding kannst du 20 Landingpages in einer Woche realisieren. Mit einem externen Entwickler dauerte das unter Umständen zwei bis drei Monate.
- Interaktive Websiteelemente: Websites entwickeln sich vom reinen Informationsmedium zum Dialog-Kanal. Ein einfaches Beispiel ist ein Matching-Tool, das Bewerberinnen und Bewerbern anhand weniger Fragen passende Stellenausschreibungen vorschlägt. Solche Anwendungen waren früher nur mit externer Entwicklungsunterstützung realisierbar. Heute kannst du ein solches Tool in ein bis zwei Tagen selbst bauen und in deine Website einbinden. Gerade in Zeiten, in denen KI-basierte Suchsysteme klassische Websitebesuche zunehmend ersetzen, kann Interaktivität entscheidend dazu beitragen, Besucherinnen und Besucher auf deiner Website zu halten.
Welche Risiken entstehen beim Einsatz von Vibe Coding?
Drei Risikobereiche verdienen besondere Aufmerksamkeit.
- Komplexität: Sobald ein Projekt mehrere Funktionen, Schnittstellen oder Datenquellen kombiniert, stoßen sowohl die KI als auch die Nutzer ohne Programmierkenntnisse an ihre Grenzen: Der generierte Code kann nicht einfach auf Fehler geprüft werden, wenn man ihn nicht lesen kann.
- Sicherheitslücken: Viele Vibe-Coding-Tools legen Datenbanken standardmäßig offen an. Supabase, ein weit verbreitetes Datenbank-Tool in diesem Bereich, hat per Default keine Zugangsbeschränkungen aktiv. Das sorgt dafür, dass die Software sofort funktioniert. Bedeutet aber auch, dass Daten ohne Passwortschutz zugänglich sind, wenn keine weiteren Schritte unternommen werden. Sicherheitslücken sind ein reales Risiko.
- Datenschutz: Die DSGVO gilt uneingeschränkt, auch für mit Vibe Coding erstellte Anwendungen. Sobald personenbezogene Daten verarbeitet werden, etwa durch Formulare, Nutzerprofile oder Tracking, sind Datenschutzerklärung, Einwilligungsmanagement und eine geprüfte Datenverarbeitung verpflichtend. Vibe Coding eignet sich deshalb in erster Linie für Anwendungen, die ausschließlich mit nicht personenbezogenen Daten arbeiten, etwa internen Kampagnenauswertungen.
Welche Tools eignen sich für deinen Einstieg?
- Lovable (lovable.dev) gilt als besonders einsteigerfreundlich. Nach der Registrierung stehen dir sofort kostenlose Credits zur Verfügung, mit denen du erste Projekte umsetzen kannst. Das Tool ist so konzipiert, dass du auch ohne Programmiererfahrung schnell zu einem sichtbaren Ergebnis kommst.
- Cursor (cursor.com) richtet sich eher an dich, wenn du bereits Entwicklungserfahrung hast. Die Lernkurve ist steiler, dafür bietet dir das Tool mehr Kontrolle über den generierten Code.
- Claude Code (claude.ai/code), das Entwicklungswerkzeug des KI-Anbieters Anthropic, ermöglicht dir ebenfalls, Software per Spracheingabe zu erstellen. Um Projekte zu veröffentlichen, musst du GitHub einbinden. Das ist eine Plattform, auf der Softwareprojekte gespeichert und versioniert werden. Die Hürde ist damit etwas höher als bei Lovable. Der Vorteil liegt in der Unabhängigkeit: Wenn du nicht an eine proprietäre Plattform gebunden bist, trägst du kein Risiko, falls Preise steigen oder der Zugang zu einem Tool wegfällt.
Wie gehst du ein erstes Projekt sinnvoll an?
Der wichtigste Erfolgsfaktor beim Vibe Coding ist nicht das Tool, sondern deine Vorbereitung. Wenn du den gewünschten Prozess und das gewünschte Ergebnis vor dem ersten Prompt klar durchdenkst, erzielst du deutlich bessere Ergebnisse, als wenn du unstrukturiert loslegst. Für den Start empfiehlt sich ein Projekt, das keine personenbezogenen Daten verarbeitet und intern genutzt wird. Ein wöchentliches Auswertungs-Dashboard für deine eigenen Kampagnendaten ist ein idealer Einstieg: überschaubar, nützlich, risikoarm und ausbaufähig.
Über den Autor

Wenn Markus Bockhorni über Online-Marketing spricht, spürt man sofort: Hier steht jemand, der nicht nur weiß, wovon er redet, sondern es auch lebt. Als Gründer der eMBIS Akademie begleitet er seit vielen Jahren Unternehmen und Marketingprofis mit SEO-Seminaren und über 40 weiteren Themen rund um digitales Marketing. Mit seiner humorvollen, praxisorientierten Art schafft er es, selbst komplexe Inhalte greifbar zu machen – immer mit dem Ziel, Wissen in echte Handlungskraft zu verwandeln
